Vibe Coding in der Praxis: über 2.500 Rezepte, eine KI und ein eigenes Projekt

Vibe Coding in der Praxis: über 2.500 Rezepte, eine KI und ein eigenes Projekt
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Über Vibe Coding — das Entwickeln per Zusammenarbeit mit einer KI statt per selbst geschriebener Zeile — wird viel geredet. Meist bleibt es bei Demos, die eine Stunde halten. Wir wollten wissen, wie weit man damit wirklich kommt, und haben deshalb ein eigenes Projekt gebaut, das echte Nutzer bedienen soll: schnelle-airfryer-rezepte.de.

Am Ende standen über 2.500 Rezepte, über 2.500 generierte Bilder und eine Plattform mit Kühlschranksuche, Merkliste und Einkaufsliste. Geschrieben wurde der Code fast vollständig im Dialog mit Claude — konzipiert, entschieden und geprüft haben wir.

Was auf der Plattform entstanden ist

Der Kern ist eine Kühlschranksuche: Man gibt ein, was da ist, und bekommt Rezepte nach Übereinstimmung sortiert. Klingt einfach, hat aber Tücken — „Hack“ kann vier verschiedene Dinge bedeuten, deshalb löst die Suche mehrdeutige Begriffe auf, statt zu raten.

Die Einkaufsliste arbeitet mit echten Mengen statt reiner Zutatennamen. Ändert man später die Portionsgröße eines Rezepts, rechnen sich die Mengen neu; kommt dieselbe Zutat in zwei Rezepten vor, wird sie zusammengefasst. Die Nährwerte stammen aus dem Bundeslebensmittelschlüssel des Max Rubner-Instituts, sind also nicht geschätzt.

Dazu kommt, was man von einer sauber gebauten Seite erwartet: strukturierte Daten auf jeder Rezeptseite, Sitemap, ein eigenes Druck-Layout über zwei Seiten. Und sechs verschiedene Listenansichten, die alle auf demselben Codepfad laufen — nicht sechsmal dasselbe in leichten Abwandlungen.

Drei Stellen, an denen es teuer oder ärgerlich geworden wäre

Ein Parameter, 500 Euro. Für die Bildgenerierung gibt es einen Qualitätsparameter. Bei 2.500 Bildern macht die Stufe darüber den Unterschied zwischen etwa 100 und über 600 Euro. Wir haben das vor dem großen Durchlauf bemerkt — hätten wir nur die Demo mit zehn Bildern getestet, wäre es erst auf der Rechnung aufgefallen.

Absturzsicherheit ist keine Nacharbeit. Die erste Fassung der Bild-Pipeline schrieb ihre Ergebnisse erst am Ende eines kompletten Durchlaufs. Ein Abbruch mittendrin — eine kurzzeitige Sperre des Cloud-Speichers reicht — hätte den gesamten Fortschritt vernichtet, bei laufenden Kosten. Wir haben auf schrittweises Speichern nach jedem einzelnen Bild umgebaut, samt Abbruch nach mehreren Fehlern in Folge.

Die vermutete Ursache war die falsche. Beim Rendern von Videos brach der Prozess reproduzierbar mit einem Netzwerkfehler ab. Verdächtig waren Dateisperren, Grafiktreiber, die Cloud-Synchronisierung, fehlende Rechte und die Sicherheitssoftware. Tatsächlich lag es am Nachladen der Bilder über das Firmennetz während des Renderns. Gelöst durch vorheriges lokales Herunterladen — gefunden nur durch systematisches Ausschließen.

Wo die KI an ihre Grenze kam

Für kurze Rezeptvideos wollten wir Bilder wiederverwenden: ein Bild pro Handlungsschritt, gültig für alle Rezepte. Dafür haben wir rund 20.000 Zubereitungsschritte klassifiziert — 29 Kategorien decken 96 Prozent ab.

Für unsichtbare Handlungen funktioniert das gut: Vorheizen sieht bei jedem Rezept gleich aus. Sobald aber Essen im Bild ist — Mischen, Panieren, Servieren — erfindet die KI ein beliebiges Gericht, das zum Schritt passt, aber nicht zum Rezept. Die Lösung war teurer und richtig: Schritt-Bilder pro Rezept, mit den echten Zutaten im Prompt.

Was wir daraus für Kundenprojekte mitnehmen

Vibe Coding bringt Ergebnisse, die vor zwei Jahren so nicht möglich waren. Was es nicht ersetzt, ist die Frage, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Wenn ein selbst gebautes Projekt zu uns kommt, prüfen wir deshalb zuerst drei Dinge:

  • Was kostet der Betrieb wirklich? Nicht die Entwicklung, sondern jeder Durchlauf, jede Anfrage, jedes generierte Bild.
  • Was passiert bei einem Abbruch? Ist der Fortschritt weg oder lässt sich weitermachen?
  • Ist der Fehler reproduzierbar? Solange man rät, wechselt man nur die Vermutung.

Dazu kommen die Punkte, die von außen sichtbar sind und über den Erfolg entscheiden: Auffindbarkeit, saubere Messung, Datenschutz und Ladezeiten. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zum Vibe Coding.

Und die ehrlichste Erkenntnis: Wir haben das an unserem eigenen Projekt gelernt, mit unserem eigenen Geld. Das ist deutlich angenehmer, als es beim Kunden zu lernen.

Projekt bei Online-Profession

schnelle-airfryer-rezepte.de

Unsere Leistungen in diesem Projekt: Vibe Coding, Webentwicklung und KI.

Martin Witte
Über den Autor
Martin Witte
Gründer und Geschäftsführer

Martin Witte ist Gründer und Geschäftsführer von Online-Profession. Seit über 25 Jahren begleitet er Unternehmen bei SEO, Shop-Optimierung und KI-gestützter Suche. Er unterrichtet an Berufskollegs und ist Initiator und Veranstalter der Online-Marketing-Konferenz Münster (OMKMS).